Inhorgenta 2026: Unser persönliches Fazit
Inhorgenta 2026: Unser persönliches Fazit

Inhorgenta 2026: Unser persönliches Fazit

Die Inhorgenta 2026 in München hat einmal mehr gezeigt, dass die Uhrenbranche sich in einer dynamischen, aber auch herausfordernden Transformation befindet. Wachstum findet seit einigen Jahren kaum mehr statt. Die steigenden Umsätze sind überwiegend den hohen Edelmetallpreisen geschuldet, wohingegen die Stückzahlen stagnierend bis rückläufig sind. D.h. der Markt erscheint weitgehend gesättigt und so befinden sich die zahllosen Uhrenhersteller rund um den Globus in einem harten Verdrängungswettbewerb. Kommt ein neuer Anbieter hinzu und erzielt nennenswerte Erfolge, so muss ein anderer dafür Federn lassen. Das trifft kleinere und mittelständische Anbieter genauso, wie große Konzernmarken. Dazu hat WatchPro einen sehr aufschlussreichen Artikel mit alarmierenden Kennzahlen publiziert.

Auch die Besucherzahlen lassen trotz wachsender Internationalisierung der Messe kaum eine Steigerung erkennen. Immerhin wird die derzeit schwache Inlandsnachfrage dadurch weitgehend ausgeglichen.

Erstmals stand die Veranstaltung unter dem Leitthema „Craftsmanship“. Damit rückte die Messe bewusst das handwerkliche Können der Branche in den Mittelpunkt. An zahlreichen Stationen konnten Besucher live erleben, wie Edelsteine gefasst, Gravuren gefertigt oder Uhrwerke montiert werden.

In der Halle B2. demonstrierten ausgewählte Kunsthandwerker und Manufakturen ihre Techniken live am Arbeitstisch – von Gravur- und Goldschmiedearbeiten bis hin zu traditionellen wie zeitgenössischen Fertigungsmethoden.

Auf der Produktseite gab es einige spannende Trends zu beobachten.
Deutlich erkennbar war der Trend zu kleineren Gehäusen (häufig 38–40 mm) und vermehrt auch klassischen Formgehäusen, die Eleganz und Charakter sowie Alltagstauglichkeit in sich vereinen. Parallel dazu feierten Retro-Designs ein starkes Comeback – sei es in der Formensprache, bei Zifferblattlayouts oder bei Vintage-inspirierten Details.

Zeppelin

Besonders auffällig waren kräftige Farben bei Bändern und Zifferblättern. Insbesondere hellblaue bis eisblaue Farbtöne stehen aktuell im Trend. Viele Hersteller setzen auf hochwertig gestaltete, mit geometrischen 3D-Strukturen gestaltete Zifferblätter sowie neue, intensive Leuchtmittel, die auch bei Dunkelheit ein beeindruckendes Nachtdesign erzeugen.

Tutima

Technisch gewinnt die Vielfalt bei mechanischen Uhrwerken weiter an Fahrt: Nachdem ETA – wie angekündigt – seine Lieferungen an Drittkunden weitgehend eingestellt hat, haben Sellita, aber auch Soprod und der japanische Großkonzern Citizen mit den Tochterunternehmen Miyota (Japan) und La Joux-Perret (Schweiz) ihr Portfolio konsequent weiterentwickelt und ETA als Werkelieferant substituiert.

SOPROD M100

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt: Hochwertige Uhren aus China werden auf Messen und Ausstellungen deutlich professioneller präsentiert und angeboten als noch vor wenigen Jahren – ein klares Zeichen dafür, dass der Qualitäts- und Designanspruch aus Fernost weiter steigt und nun auch das Marketing in Eigenregie an Dynamik gewinnt.

CIGA-Design ist 2021 mit dem imageträchtigen GPHG Award in der Kategorie „Challenge Watch Prize“ für sein Modell „Blue Planet“ ausgezeichnet worden.

Gleichzeitig bleibt die Branche ambivalent gegenüber der digitalen Entwicklung: Ein hoher Prozentsatz junger Menschen trägt heute Smartwatches. Umso verwunderlicher ist es, dass gerade große Konzerne, wie beispielsweise die Swatch Group – mit enormem Know-how in der Mikroelektronik – dieses Wachstumsfeld weitgehend anderen Playern vornehmlich aus dem IT-Bereich überlassen.

Trotz stagnierender Umsätze bei rückläufigen Stückzahlen beklagt das Uhrmacherhandwerk nach wie vor den Mangel an qualifiziertem Nachwuchs. Umso erfreulicher, dass auch in diesem Jahr die Initiative des Zentralverbandes für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik mit dem durch Deutschland rollenden Uhrmachermobil fortgeführt wird.

Das Uhrmachermobil in Halle C2 des Zentralverbands für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik vermittelt anschaulich Grundlagen der Uhrmacherei und macht Ausbildungsinhalte praxisnah erlebbar.

Neben einem starken Ausstellerportfolio bot die INHORGENTA auch ein vielseitiges und inhaltlich fundiertes Rahmenprogramm und bestätigte damit ihren Anspruch als internationale Plattform der Schmuck-, Uhren- und Edelsteinbranche.

WATCH TALKS in der (Uhren-) Halle A1. Gisbert L. Brunner im Gespräch mit Marc Czemper, Division Manager des Geschäftsbereiches Uhren bei Casio Europe

Insgesamt bewegt sich die Uhrenbranche in einem unruhigen Fahrwasser: zwischen Tradition und Innovation, zwischen mechanischer Perfektion und digitalen Alternativen, zwischen europäischer Handwerkskunst und globalem Wettbewerb. Die Inhorgenta 2026 hat gezeigt: Wer die Zeichen der Zeit erkennt und mutig neue Wege geht, positioniert sich für die Zukunft.

 

Unsere Beiträge zur Inhorgenta 2026

 

 

 

 

 

Ein Kommentar

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