Mit der „Sieben Sphären“ präsentiert der deutsche Uhrmacher Marco Lang ein außergewöhnliches Projekt moderner unabhängiger Uhrmacherkunst. Die auf nur 18 Exemplare limitierte Uhr verbindet traditionelle Handwerkskunst mit einer innovativen mechanischen Architektur, die von astronomischen Weltbildern und visionären Ideen inspiriert ist.
Eine Idee, die zum Projekt wurde
Die Idee zur „Sieben Sphären“ begleitete Marco Lang über viele Jahre. Im Sommer 2022 begann schließlich die konkrete Konstruktion des Prototyps. Zu dieser Zeit arbeitete er noch am erfolgreichen Modell „Zweigesicht-1“. Statt direkt ein Nachfolgemodell zu entwickeln, entschied sich Lang bewusst für ein neues, deutlich komplexeres Projekt.
Die Konstruktion dieser Uhr entstand nicht aus klassischen Vorlagen der Uhrmacherei, sondern aus einer inneren Vorstellung. Lange blieb ungewiss, ob sich die Idee tatsächlich technisch umsetzen lassen würde.
Mechanik aus sieben Sphären
Im Zentrum der Uhr arbeitet ein ungewöhnliches Energiesystem: Vier parallel geschaltete Federhäuser treiben einen zentralen Kugellagerring an, der sich einmal in zwölf Stunden dreht.
Von dort gelangt die Energie in ein System aus sieben ineinander verschachtelten Titanringen. Jeder Ring besitzt ein eigenes Planetengetriebe und ist um 30 Grad zum jeweils äußeren Ring versetzt. Während sich der äußerste Ring einmal pro Stunde bewegt, dreht sich der innerste Ring innerhalb von nur 50 Sekunden einmal vollständig.
Um den begrenzten Raum optimal zu nutzen, wurden Zahnräder und Triebe speziell gewölbt konstruiert.
Technische Herausforderungen
Viele Komponenten mussten für dieses Projekt erstmals entwickelt werden. Dazu gehören auch zwei speziell gefertigte Kugellager – eines mit 97 Kugeln für die 12-Stunden-Rotation und ein weiteres mit 170 Kugeln für den Minutenzeiger.
Die sieben Sphären bestehen aus Titan. Aufgrund des sehr leichten Materials mussten kleine Platinzylinder eingesetzt werden, um die Ringe exakt auszubalancieren. Auch für Montage und Fertigung entwickelte Lang zahlreiche Spezialwerkzeuge.
Schwebende Zeiger
Im Zentrum des Ringsystems arbeitet die Unruh mit klassischer Ankerhemmung und gebläuter Breguetspirale bei einer Frequenz von drei Hertz.
Die Anzeige erfolgt über scheinbar frei im Raum schwebende Stunden- und Minutenzeiger aus hitzegebläutem Stahl. Trotz der komplexen Konstruktion bleibt die Zeit so klar und gut ablesbar.
Inspiration aus Film und Astronomie
Eine Inspiration für die Konstruktion stammt aus dem Film Contact nach dem Roman von Carl Sagan. Die elegante Bewegung ineinander rotierender Ringe inspirierte die Gestaltung der mechanischen Sphären.
Auch historische Weltbilder spielten eine Rolle. Das geozentrische Modell von Claudius Ptolemy beschrieb sieben Planetensphären um die Erde. Später entwickelte Nicolaus Copernicus das heliozentrische Modell mit der Sonne im Zentrum. Beide Konzepte spiegeln sich symbolisch im Aufbau der Uhr wider.
Gehäuse und Materialien
Die „Sieben Sphären“ besitzt ein Gehäuse aus Platin 950 mit einem Durchmesser von 42 Millimetern und einer Höhe von 18 Millimetern inklusive Glaswölbung. Saphirglas auf Vorder- und Rückseite erlaubt den Blick auf die außergewöhnliche Mechanik.
Das Armband besteht aus Alligatorleder und ist auf der Innenseite mit Haifischleder verstärkt, um die Wasserresistenz zu erhöhen.
Technische Daten des Gehäuses
- Platin 950
- Durchmesser: 42 mm
- Höhe: 18 mm
- Saphirglas und Saphirglasboden
- Alligatorlederarmband mit Haifischleder-Innenseite
- Dornschließe aus Platin 950
- Wasserdichtigkeit: 5 bar
Das Uhrwerk ML-02/7SP
Das eigens entwickelte Kaliber ML-02/7SP bildet das technische Herz der Uhr.
Wesentliche Merkmale
- Uhrwerkdurchmesser: 35,7 mm
- Höhe ohne Ringsystem: 5,35 mm
- Gangreserve: 55 Stunden
- Vier parallele Federhäuser
- Zentrales Kugellagersystem (12-Stunden Rotation)
- Sieben Titan-Sphärenringe
- Sechs Planetengetriebe mit Übersetzung 1:2
- Ein Planetengetriebe mit Übersetzung 1:2,25
- Frequenz: 3 Hertz (21.600 Halbschwingungen pro Stunde)
- Vierarmige Unruh mit Excenterregulierung
- Rückersystem und Ankerhemmung
- 43 Rubine
- Zwei dekorative Diamanten im Brillantschliff
Limitierte Serie
Die „Sieben Sphären“ erscheint in einer limitierten Serie von nur 18 Exemplaren. Bereits mehrere Uhren haben einen zukünftigen Besitzer gefunden. Der Preis liegt bei rund 250.000 Euro.
Da Marco Lang den Großteil der Arbeiten persönlich ausführt, entstehen entsprechend längere Lieferzeiten. Für den Uhrmacher selbst ist dieses Projekt jedoch vor allem die Verwirklichung einer Idee, die ihn viele Jahre begleitet hat.
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