Glashütte – der Name ist Programm. Kaum ein anderer Ort steht weltweit so sehr für deutsche Uhrmacherkunst wie das kleine Städtchen im Müglitztal (Sachsen). Eine Marke, die untrennbar mit diesem Erbe verbunden ist, heißt Tutima.
Doch der Weg der Marke war steinig: Geprägt von Innovationen, Weltkriegen, Teilung Deutschlands und einem bemerkenswerten Neuanfang. Heute ist Tutima nicht nur zurück in Glashütte, sondern schreibt mit einer neuen Führung und eigener Manufaktur das nächste Kapitel deutscher Zeitmessungsgeschichte.
Die Geburtsstunde von Tutima in den 1920ern
Die Wurzeln der Glashütter Uhrenindustrie reichen bis 1845 zurück – dank Ferdinand Adolph Lange. Doch die Marke Tutima entstand aus einer Krise heraus.
Im Dezember 1926 leitete Dr. Ernst Kurtz eine neue Ära ein. Gemeinsam mit der Girozentrale Sachsen gründete er die UROFA (Uhren-Rohwerke-Fabrik Glashütte AG) sowie die UFAG (Uhrenfabrik Glashütte AG).

Dr. Kurtz gilt bis heute als Wegbereiter der Industrialisierung in Glashütte. Unter seiner Führung wurde die traditionelle Herstellung hochwertiger Taschenuhren durch die moderne Serienfertigung von Armbanduhren ersetzt.
Schon bald entstanden die ersten serienmäßig gefertigten deutschen Armbanduhren „Made in Glashütte“.
Die Entstehung der Marke Tutima
In den 1930er Jahren entwickelte die UFAG zahlreiche hochwertige Zeitmesser, die sich mit der Schweizer Konkurrenz messen konnten. Die Spitzenmodelle erhielten den Namen „Tutima“ – abgeleitet vom lateinischen Wort „tutus“, was so viel bedeutet wie „sicher“ oder „geschützt“.
Dank höchster Qualität, technischer Innovation und eines selektiven Vertriebs über ausgewählte Fachgeschäfte erarbeitete sich Tutima schnell einen exzellenten Ruf. Zu dieser Zeit beschäftigten die Werke bereits rund 1.000 Mitarbeiter.

Dr. Ernst Kurtz und sein Entwicklungsteam
Der legendäre Fliegerchronograph
Ein Meilenstein gelang Tutima kurz vor dem Zweiten Weltkrieg: Der erste deutsche Zwei-Drücker-Fliegerchronograph mit UROFA-Kaliber 59. Ausgestattet mit einer Flyback-Funktion („Tempostopp“), setzte diese Ikone Maßstäbe im Fliegeruhren-Bau – technisch und optisch.
Krieg, Zerstörung und ein Neuanfang im Westen
Die Bombardierungen 1945 zerstörten große Teile Glashüttes. Während die verbliebenen Betriebe in der DDR verstaatlicht wurden, setzte Dr. Ernst Kurtz die Fertigung im Westen fort – zuerst in Memmelsdorf, ab 1951 in Ganderkesee (Niedersachsen).
Mit der Gründung der „Nurofa – Norddeutsche Uhren-Rohwerkefabrik“ entstanden erneut hochwertige Uhrwerke nach den strengen Glashütter Qualitätsprinzipien. Unter der Marke „Glashütter Tradition“ wurden zahlreiche Zeitmesser erfolgreich vertrieben.
Wenig später kehrte auch der traditionsreiche Markenname Tutima offiziell zurück.
Die Ära Delecate und die Rückkehr nach Glashütte
Mit Dieter Delecate übernahm ein ehemaliger Mitarbeiter von Dr. Kurtz die Marke und führte sie als Familienunternehmen durch die Quarzkrise der 1970er Jahre. Bis heute ist Tutima im Besitz der Familie Delecate.
Schon kurz nach der deutschen Wiedervereinigung prüfte Dieter Delecate die Möglichkeiten zur Rückkehr an den historischen Ursprung in Glashütte. Im Jahr 2005 fiel die Entscheidung: Tutima erwarb ein Gebäude an der Altenberger Straße – nur wenige Schritte vom ehemaligen Standort der UROFA entfernt. 2008 erfolgte die offizielle Eröffnung der Manufaktur in Glashütte.
Tutima heute: Moderne Manufaktur mit gesamtdeutscher Geschichte
Heute verbindet Tutima traditionelle Glashütter Uhrmacherkunst mit moderner Technik und anspruchsvollem Design. In der Manufaktur in Glashütte entstehen hochwertige mechanische Zeitmesser, gefertigt mit großer Präzision und nach den strengen Qualitätsmaßstäben „Made in Glashütte“.
Die Rückkehr an den historischen Ursprung steht dabei für weit mehr als Tradition: Sie verbindet deutsche Uhrmachergeschichte mit technischer Innovation und generationsübergreifender Handwerkskunst.

Ein weiteres wichtiges Kapitel begann Anfang 2025 mit der Gründung der „Tutima Glashütte GmbH & Co. KG“. Gleichzeitig übernahm mit Matthias Stotz ein Uhrmachermeister in vierter Generation die Geschäftsführung. Seine Berufung unterstreicht den Anspruch der Marke, fast 100 Jahre Uhrmachertradition mit moderner Zukunftsorientierung zu verbinden.
Tutima ist damit weit mehr als ein Uhrenhersteller: Die Marke steht für ein lebendiges Stück deutscher Zeitgeschichte – von den Anfängen in den 1920er Jahren über die Teilung Deutschlands bis hin zur Rückkehr nach Glashütte.
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