Die Inhorgenta 2026 stand im Zeichen wirtschaftlicher Unwägbarkeiten und Risiken. Entsprechend waren die Erwartungen gedampft bis verhalten. Zu allem Überfluss zeigte dann auch noch das Wetter in der Nacht vom 19. auf den 20. Februar, dass der kalendarische Winter noch nicht zu Ende ist und sorgte mit heftigem Schneefall für Verzögerungen und Ausfällen bei der Anreise der Besucher am ersten Messetag und lieferten einen Vorgeschmack auf das, was durch den aktuellen Konflikt im Nahen Osten möglicherweise noch auf uns zukommt.
Die traditionell am ersten Tag gleich nach der Eröffnung stattfindende Pressekonferenz zeigte denn auch anhand des präsentierten Zahlenmaterials, dass die Uhren- und Schmuckbranche schwierige Zeiten durchlebt. Die Sonderkonjunktur, die vielen Herstellern während der Zeit der Corona-Pandemie einmalige Mitnahmeeffekte bescherte, sind vorüber. Die Umsätze bewegen sich seit 2022 auf weitgehend konstantem Niveau.
Kann die Schmuckbranche noch moderate Steigerungen für sich verbuchen, so tritt die Uhrenbranche mehr oder weniger auf der Stelle. Zwar spricht der BVJ (Handelsverband der Deutschen Juweliere) von einem insgesamt stabilen Markt, das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Zieht man den extremen Anstieg des Goldpreises – der innerhalb der letzten 2 Jahre eine Verdoppelung erfahren hat – mit in Betracht, so relativiert sich die Aussage des BVJ. Die gestiegenen Beschaffungskosten bei nahezu konstanten Umsätzen, indizieren bei rückläufigen Stückzahlen nichts anderes als eine Abschwächung der Konjunktur. In welchem Maße sich dieser Effekt in Zahlen gefasst, bemerkbar macht, konnte auf Nachfrage nicht beantwortet werden.
Fakt ist letztlich, dass insbesondere im Bereich hochwertiger Uhren (mit mechanischen aber auch Quarzwerken) zu höheren Preisen zwar gekauft wird, aber bei gleichzeitig rückläufigen Stückzahlen. Dieser Trend lässt sich seit geraumer Zeit auch den monatlichen Ausfuhrberichten der Eidgenössischen Zollbehörden entnehmen.
Die Ursachen hierfür sind mehrschichtig:
– Die Kaufbereitschaft für Luxusartikel nimmt bei wirtschaftlichen Unwägbarkeiten generell ab.
– Die in 2025 geführten Diskussionen und Verhandlungen um Zölle.
– Die nur schwer nachvollziehbaren Preissteigerungen bei einigen Herstellern (abseits von Zöllen und Edelmetallpreisen).
– Der Siegeszug smarter Armbanduhren und Gadgets an den Handgelenken jüngerer Kunden
– Der Boom von Uhren chinesischer Herkunft auf diversen Online-Plattformen wie Amazon.
Insbesondere für die drei zuletzt genannten Punkte ist die europäische Uhrenbranche einzig und allein selbst verantwortlich. So ist es beispielsweise nicht verständlich, weshalb z.B. die Swatch-Group mit all ihrer Kompetenz im Bereich der Mikroelektronik das Feld der intelligenten Uhren vollständig Anbietern aus Asien oder dem Senkrechtstarter Garmin überlässt.
Die Tatsache, dass zudem Anbieter und Hersteller aus China sich den Markt mittlerweile mit eigenen Labels (Pagani Design, San Martin, Sugess und viele viele andere mehr….) erschließen, ist dem Umstand geschuldet, dass die europäische Uhrenindustrie vor mehr als drei Jahrzehnten damit begonnen hat, Vorprodukte wie Gehäuse, Zeiger, Zifferblätter, Bänder und Uhrwerkskomponenten zu günstigen Konditionen in China fertigen zu lassen. China hat diesen Job bereitwillig übernommen und über die Zeit ganz nebenbei eigenes Know-How aufgebaut.
Nun holt die Uhrenbranche an dieser Stelle derselbe Effekt ein, wie bereits die europäische Automobilindustrie, die nun ebenfalls schmerzhaft erfahren muss, dass China mittlerweile – weitgehend ohne Unterstützung von extern – selbst in der Lage ist, qualitativ hochwertige Produkte zu entwickeln, anzubieten und auch zu vermarkten. Dies wirkt sich vor allem im Einstiegssegment aus, in dem für den Kunden primär Preis, Funktion und Nutzen im Vordergrund stehen und weniger der Name des Herstellers, der auf dem Zifferblatt steht. Im höheren Preissegment sieht die Situation bislang noch anders aus; hier spielen Emotion, Image und Heritage neben Funktion, Design und Qualität eine wichtige Rolle. Der Preis nimmt im gehobenen Segment bislang keine so hohe Bedeutung ein. Insofern wird es noch dauern, bis Hersteller aus China sich auch außerhalb des eigenen Landes einen Namen machen und sich als feste Größe etablieren.
Dennoch gibt es erste Anzeichen dafür. Ein interessantes Beispiel hierfür war auf der diesjährigen Inhorgenta in Form von Ciga-Design vertreten. Und in Genf, auf der in wenigen Wochen stattfindenden Watches & Wonders, wird Behrens zeigen, zu welch herausragenden Leistungen chinesische Designer, Ingenieure und Uhrmacher aktuell in der Lage sind.
Betreten wir nun die (Uhren-) Halle A1 der Inhorgenta, so rücken die zuvor formulierten Bedenken und Unwägbarkeiten in den Hintergrund. Alles wirkt einladend, frisch, aufgeräumt und harmonisch; also beste Voraussetzungen für einen gelungenen Messeverlauf.
Am ersten Messetag war die Halle aufgrund der witterungsbedingten Einschränkungen gefühlt weniger gut besucht, wie in den Vorjahren. Das sollte sich jedoch bis zum Sonntag ändern. Ob letztlich die von Handel und Herstellern gleichermaßen erhofften Abschlüsse zustande gekommen sind, vermögen wir abschließend nicht zu beurteilen. Aus vielen Einzelgesprächen nehmen wir jedoch mit, dass die Stimmung speziell in Deutschland und Österreich zwar angespannt bis unerfreulich ist, dies jedoch durch positive Entwicklungen speziell auf dem osteuropäischen Markt ausgeglichen wird. Diesem Trend zu einer Intensivierung der Internationalität hat sich auch die Messeleitung der Inhorgenta verschrieben. Nach dem „Ableben“ der Baselworld hat die Inhorgenta an dieser Stelle sicherlich weiteres Potenzial für robustes Wachstum.
Da es uns unmöglich war, in 3 Tagen alle Aussteller zu besuchen, haben wir uns auf die aus unserer Sicht 20 relevantesten Hersteller und Marken beschränkt. Im Fokus standen Anbieter aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, England, Japan und China.
Beginnen wir mit den Ausstellern aus Deutschland, nachfolgend die einzelnen Links zu den Beiträgen.
- Inhorgenta 2026: Neuheiten von bauhaus, bauhaus aviation und Zeppelin
- Inhorgenta 2026: Neuheiten von Alexander Shorokhoff und Poljot International
- Inhorgenta 2026: Neuheiten von MeisterSinger
- Inhorgenta 2026: Neuheiten von Junghans
- Inhorgenta 2026: Neuheiten von Mühle Glashütte
- Inhorgenta 2026: Neuheiten von Tutima-Glashütte
- Inhorgenta 2026: Neuheiten von UMF Ruhla
Nachfolgend die Links zu den Beiträgen über die Neuigkeiten der Anbieter aus der Schweiz, Frankreich, England, Japan und China
- Inhorgenta 2026: Neuheiten ausgewählter Aussteller aus der Schweiz
- Inhorgenta 2026: Neuheiten ausgewählter Aussteller aus Frankreich, England, Japan und China
Und letzendlich folgt noch unser persönliches Fazit zur Inhorgenta 2026





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