Die Watches & Wonders fand in diesem Jahr exakt 14 Tage später statt als im Vorjahr. Dieser Terminverschiebung sind auch alle anderen in Genf zum Thema Uhren zahlreich stattfindenden Parallel-Veranstaltungen gefolgt. Und mit diesen alternativ zur Watches & Wonders stattfindenden und mittlerweile etablierten Veranstaltungen haben wir uns näher befasst.
Welches sind die Ursachen und Veränderungen im Marktgeschehen, die diesen Trend nicht nur ermöglichen, sondern weiter voranbringen und beschleunigen?
Während die Watches & Wonders sich nach dem Rückzug der Baselworld nun als Gravitationszentrum der Uhrenindustrie betrachtet und die Rückkehr von Audemars Piguet in die Hallen der Palexpo feiert, wird gerne übersehen, dass mit Richemont und LVMH zwar zwei der 3 großen Schweizer Uhrenkonzerne vertreten sind, die Swatch Group als mengenmäßig größter und vielleicht wichtigster Anbieter mit dem umfangreichsten Markenportfolio der Veranstaltung jedoch nach wie vor fern bleibt und stattdessen andere Kommunikationskanäle bespielt.
Aber auch Breitling und viele andere bekannte Marken zeigen keine Präsenz auf der Watches & Wonders. In ganz besonderen Maße gilt dies für die wachsende Zahl der sogenannten Independants. Diese Unternehmen sind, wie die Bezeichnung verrät, inhabergeführt und agieren fernab von Konzernstrukturen. Viele dieser unabhängigen Marken haben oftmals eine lange Tradition und es geschafft, sich dem Zugriff großer Konzerne zu entziehen. Andere wiederum sind Neugründungen aus jüngeren Tagen. Als komplett neues Start-Up innovativer und wagemutige Gründerväter oder durch Wiederbelebung altbekannter Label über einen passionierten und finanzstarken Personenkreis.
Und just dieser Unternehmerkreis zieht es zuweilen vor, sich über alternative Plattformen zu präsentieren und damit gegenüber Konzernmarken abzuheben und vor allem abzugrenzen. Entsprechend trafen wir in diesem Frühjahr in Genf auf folgende parallel geschaltete Formate und Veranstaltungen:
- Watches & Wonders
- Time To Watches
- Chronopolis
- AHCI
- Präsentationen in den Hotels Beau Rivage und Four Seasons
- Präsentationen in diversen Uhren-Boutiquen sowie weiteren Locationen
Hinter den 4 erstgenannten Formaten stehen jeweils professionelle Organisationen, die sich um Planung, Vorbereitung und Durchführung kümmern. Die beiden letztgenannten werden von den ausstellenden Firmen weitgehend in eigener Regie gemanagt, wobei die jeweiligen Hotels die erforderlichen Räumlichkeiten zur Anmietung offerieren.
Seit der Corona-Pandemie ist nichts mehr so, wie es einst war. Die Baselworld als einstiger zentraler Treffpunkt für die globale Uhrenwelt hat 2020 aufgehört zu existieren. Die Watches & Wonders wurde 2021 und 2022 in rein digitalem Format durchgeführt, was überraschend gut funktioniert hat, aber auf Dauer kein vollwertiger Ersatz für eine klassische Messe mit persönlichen Kontakten und dem unerlässlichen Look and Feel war.
Parallel dazu haben sich die Rahmenbedingungen und der gesamte Markt signifikant verändert:
- Der chinesische Markt zeigt spürbare Wachstumsschwächen
- Gleichzeitig begann China selbstbewusster aufzutreten und nicht mehr nur Teilelieferant zu sein
- Der Siegeszug der Smartwatch ist ungebremst
- Damit einher geht ein abnehmendes Kaufinteresse an traditionellen Uhren
- Verlagerung der Kommunikationskanäle hin zu Social Media
- Genereller Wandel des Käuferverhaltens
- Online versus stationärer Handel
- Überproportionale Teuerung bei vielen Herstellern
- Verschärfter Wettbewerbsdruck durch neue Anbieter bei gleichzeitig stagnierender Nachfrage
- Die Profitabilität schwindet bei vielen Anbietern
- Kurzarbeit und Stellenstreichungen sind die Folge.
Diese Gemengelage führt letztlich dazu, dass – wenn überhaupt – nur noch ganz wenige Hersteller „Business as Usual“ betreiben können. Mit ein paar jährlich gelaunchten Neuheiten ist es nicht mehr getan. Viele Märkte sind gesättigt und der längst entfachte Verdrängungswettbewerb ruft nach neuen Ideen, um die Aufmerksamkeit der Kunden zu erreichen und für den Kauf des eigenen Produktes zu begeistern.
Um näher am Kunden zu sein, werden neue Kommunikations- und Präsentationsformate ins Leben gerufen. So wie der Wein, direkt beim Winzer gekauft, in der Regel besser mundet als jener aus dem Fachgeschäft oder vom Onlinehändler, zeigen gerade Newcomer großes Interesse daran, direkt und möglichst ohne Umwege mit dem Endkunden in Kontakt zu treten und ungefiltertes Feedback zu erlangen. Das hat gerade im Falle des Direktvertriebes zudem den Vorteil – den viele junge Marken vom Start weg bevorzugen – bei der Preisgestaltung keine Margen für den Handel vorhalten zu müssen und das Produkt als weiteres Goodie preislich attraktiv anbieten zu können.

So ist es kein Wunder, dass neben kleineren, oft auch sehr exklusiven konzernunabhängigen Marken nun auch bekannte Namen großer Konzerne beginnen, eigene Wege zu beschreiten. Wir haben deshalb in diesen Tagen der Geneva Watch Week den Schwerpunkt auf die neuen alternativen Formate gelegt, um einen Einblick zu gewinnen, wer sich mit welchen Neuigkeiten wo präsentiert und welche Zielgruppe(n) vorrangig angesprochen werden.
Wir treffen zunächst eine bewusst kleine Auswahl aus den zahlreichen Ausstellern, um dieser Frage nachzugehen. Im weiteren Verlauf werden wir uns in gesonderten Publikationen nach und nach weiteren Herstellern zuwenden.
Weiter geht unser Bericht über die „Geneva Watch Week 2026“ mit unseren Eindrücken von der Time to Watches in folgenden Beitrag:
Die Geneva Watch Week 2026: Teil 2 – Time To Watches
LINKS
- Beiträge zum Thema Veranstaltungen im Blog des DEUTSCHEN UHRENPORTALS
- Die Geneva Watch Week 2026: Teil 2 – Time To Watches
- Die Geneva Watch Week 2026: Teil 3 – CHRONOPOLIS
- Die Geneva Watch Week 2026: Teil 4 – AHCI „Masters of Horology“





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