Geneva Watch Week 2026: Teil 4 – Ausstellung des AHCI
Geneva Watch Week 2026: Teil 4 – Ausstellung des AHCI

Geneva Watch Week 2026: Teil 4 – Ausstellung des AHCI

Ein Genuss der besonderen Art ist die durch die vom AHCI (Académie Horlogère des Créateurs Indépendants) organisierte und jährlich stattfindende Ausstellung vieler seiner Mitglieder im Rahmen seines Formats „Masters of Horology“ im L’ice Bergues, in unmittelbarer Nähe des Hotels Four Seasons. Das ist eine kleine, urbane Eventlocation, mit Showroom-/Gallery-Charakter.
Genau wie bei Chronopolis frei zugänglich und offen für jeden Uhrenaficionado, ganz ohne Anmeldung oder Ticket.

Dort stellen international anerkannte Weltklasseuhrmacher aus, mit z.T. mehrfachen Auszeichnungen durch den GPHG. So bekannte Namen wie Konstantin Chaykin, Voutilainen, Kudoke, Marco Lang, Matthias Naeschke und einige mehr waren mit ihren aktuellen Modellen persönlich anzutreffen.

Konstantin Chaykin

Konstantin Chaykin ist einer der kreativsten unabhängigen Uhrmacher der Gegenwart. Er gründete 2003 seine Manufaktur in St. Petersburg und ist seit 2010 Mitglied der Académie Horlogère des Créateurs Indépendants, deren Präsident er ab 2016 war.
Bekannt wurde er durch seine „Wristmon“-Kollektion, insbesondere die Joker watch, die 2018 beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève ausgezeichnet wurde. Mit über 90 Patenten verbindet Chaykin spielerisches Design mit hoher Uhrmacherkunst. Seine limitierten Modelle – von der ultraflachen ThinKing Mystery bis zu komplexen Uhren wie der Stargazer – sind bei Sammlern weltweit sehr gefragt.

Mit der THINKING MYSTERY  präsentiert Konstantin Chaykin auf der Ausstellung der Académie Horlogère des Créateurs Indépendants (AHCI) die flachste mechanische Uhr der Welt: bei einer Gesamthöhe von nur 1,65 mm Höhe bei 41 mm Durchmesser und 12,1 Gramm Gewicht. Konstantin Chaykin unterbietet damit die Bulgari Octo Finissimo Ultra um weitere 0,05mm.

Möglich wird das durch eine radikal neue Konstruktion ohne Krone, bei der das Gehäuse zugleich als Werkplatine dient.
Im Inneren arbeitet das Handaufzugskaliber K.23-3.1 mit Doppel-Unruh-System und 38 Stunden Gangreserve.

Die Zeit wird über zwei hauchdünne Saphirscheiben „mystery“-artig angezeigt. Limitiert auf 12 Stück und mit einem Preis von rund 400.000 CHF ist die Uhr ein exklusives Highlight aktueller Haute Horlogerie.

Marco Lang

Marco Lang verkörpert die hohe Schule der deutschen Uhrmacherkunst. Als Spross einer Uhrmacherdynastie in fünfter Generation – sein Vater war Chefrestaurator im Mathematisch-Physikalischen Salon Dresden – trägt er ein Erbe in sich, das er in jedem seiner Zeitmesser neu interpretiert.
Nach einer Feinmechaniker-Lehre in Glashütte und einer Wanderschaft zu dem norddeutschen Uhrenexperten Ihno Fleßner kehrte Marco Lang 1999 nach Dresden zurück. 2001 gründete er gemeinsam mit Mirko Heyne die Manufaktur Lang & Heyne. Ihre Vision war es, zeitgemäße Interpretationen der sächsischen Hofuhrmacherkunst des 18. Jahrhunderts zu schaffen – keine Kopien, sondern kreative Weiterentwicklungen.

Bis 2019 entwickelte Lang neun verschiedene Uhrwerke und baute eine Kollektion von acht Armbanduhrenmodellen auf, mit einer Preisspanne zwischen 20.000 und 150.000 Euro.

2019 verließ Marco Lang das von ihm gegründete Unternehmen. Ein Jahr später kehrte er unter dem Motto „zurück an den Werktisch“ zu seinen Wurzeln zurück und gründete ein eigenes Uhrenatelier in Dresden. Nicht mehr der Aufbau eines Unternehmens, sondern die Uhr als wertvolles, künstlerisches Einzelstück steht seitdem im Mittelpunkt seines Schaffens.
Seit 2005 ist er Mitglied der Académie Horlogère des Créateurs Indépendants (AHCI).

Auf der Ausstellung der AHCI stellte uns Marco Lang sein aktuelles Meisterwerk, die „Sieben Sphären“, vor.

Marco Lang, Sieben Sphären

Mit der „Sieben Sphären“ präsentiert er ein außergewöhnliches Projekt unabhängiger Uhrmacherkunst. Die auf 18 Exemplare in Platin limitierte Uhr vereint Inspirationen aus Film, Astronomie und historischen Weltbildern zu einer faszinierenden und geradezu unglaublichen mechanischen Skulptur.

Es ist seine bislang komplexeste Kreation: Im Zentrum steht das Kaliber ML-02/7SP mit einem revolutionären Mehrfach-Tourbillon aus sieben konzentrischen Titanringen, die jeweils um 30 Grad zueinander versetzt sind. Der äußerste Ring rotiert einmal pro Stunde, der innerste alle 50 Sekunden – eine eindrucksvolle kinetische Choreografie.

Das Gehäuse aus 950er Platin misst 42 mm im Durchmesser und 10 mm in der Höhe; mit dem hochgewölbten Saphirglas erreicht die Uhr eine Gesamthöhe von 18 mm. Die Gangreserve beträgt 55 Stunden bei einer Frequenz von 21.600 A/h.

Das silberne Zifferblatt mit handguillochierten Mustern und roten Breguet-Ziffern verleiht der Uhr zusätzliche Tiefe. Die Zeiger scheinen über dem Uhrwerk zu schweben und unterstreichen den skulpturalen Charakter dieses außergewöhnlichen Zeitmessers.
Marco Lang benötigt für die Fertigstellung eines Exemplars ein ganzes Jahr. Alle 18 Exemplare sind bereits verkauft. Die letzte Uhr wird damit im Jahre 2044 an seinen künftigen Besitzer übergeben.

 

 

Voutilainen

Kari Voutilainen zählt zu den bedeutendsten unabhängigen Uhrmachern der Gegenwart.
Der 1962 geborene Finne gründete 2002 seine eigene Manufaktur im schweizerischen Val-de-Travers und ist seit 2005 Mitglied der Académie Horlogère des Créateurs Indépendants.
Seine Arbeit verbindet traditionelle Handwerkskunst mit technischer Innovation. Ein Großteil der Fertigung – von Konstruktion bis Finissierung – erfolgt in den eigenen Ateliers. Durch Beteiligungen an spezialisierten Zulieferern wie Comblémine (Zifferblätter) und Voutilainen & Cattin (Gehäuse) wurde die Fertigungstiefe weiter erhöht. Die Jahresproduktion liegt bei etwa 40 bis 50 Uhren.
Für seine Arbeiten wurde Voutilainen mehrfach beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève ausgezeichnet und zählt zu den erfolgreichsten unabhängigen Uhrmachern seiner Generation.

Die 216TMZ  ist eine klassische Weltzeituhr im eleganten 39-mm-Stahlgehäuse mit seinen charakteristischen, tropfenförmigen Bandanstößen. Das vollständig polierte Gehäuse wird von einer hauseigen gefertigten Krone gekrönt.

216TMZ

Das handguillochierte Zifferblatt zeigt ein gewelltes Zentralmuster, während der äußere Kapitellring mit konzentrischer Guillochierung versehen ist und Breguet-Ziffern sowie applizierte Indizes trägt. Die Weltzeitfunktion folgt dem Standard von Louis Cottier: Ein drehbarer Ring mit 24 Städtenamen wird durch Drücken der Krone verstellt, während ein zweifarbiger 24-Stunden-Ring die Tages- und Nachtstunden in den 23 weiteren Zeitzonen anzeigt.

216TMZ

Angetrieben wird die Uhr vom hauseigenen Handaufzugskaliber 216TMZ mit der charakteristischen Doppel-Direktimpuls-Hemmung. Eine große, freie Unruh (13,5 mm) mit Roségold-Gewichten und einer handgefertigten Breguet-Spirale oszilliert mit 18.000 Halbschwingungen pro Stunde und sichert eine Gangreserve von 65 Stunden. Das Kaliber besteht aus 275 Komponenten und 44 Rubinen.

Mit der 28MPR präsentiert Kari Voutilainen einen würdigen Schlusspunkt für das legendäre Handaufzugskaliber „Vingt-8“, das Ende 2025 aus dem Programm genommen wurde.
Die Uhr erscheint in einem neu gestalteten 37,5-mm-Gehäuse aus Stahl, Titan oder Platin mit konkavem Rand und geraden Bandanstößen. Das handguillochierte Zifferblatt wird in den eigenen Manufakturen gefertigt und zeigt eine Grand-Feu-Emaille-Mondphase sowie eine Gangreserveanzeige.

Voutilainen, 28MPR

Das Vingt-8-Kaliber arbeitet mit der charakteristischen Doppel-Direktimpuls-Hemmung, einer freien Unruh mit Breguet-Spirale und bietet 65 Stunden Gangreserve bei 18.000 A/h.
Die 28MPR ist weltweit auf 45 Exemplare limitiert.

Mit dem KV21 Tonneau zeigte Kari Voutilainen sein erstes serienmäßiges Tonneau-Gehäuse (39,5 x 35 mm) und zugleich ein neues Manufakturkaliber, das das legendäre Vingt-8-Werk nach 17 Jahren ablöst.
Das Handaufzugskaliber KV21 verfügt über eine große freie Unruh mit Roségold-Gewichten, eine handgefertigte Breguet-Spirale und die charakteristische Doppel-Direktimpuls-Hemmung aus zwei gebläuten Rädern.

KV21 Tonneau

Das mehrteilige, handguillochierte Zifferblatt mit applizierten goldenen Ziffern und kleinem Sekundenzifferblatt bei 6 Uhr wird in den Voutilainen-Tochterfirmen Brodbeck Guillochage und Comblémine gefertigt. Die Uhr ist wahlweise in Stahl, Titan, Platin, Weißgold oder Roségold erhältlich, auf 40 Exemplare weltweit limitiert (acht Stück pro Variante) und kostet zwischen 134.000 und 142.000 CHF.

 

KUDOKE

Der 1978 geborene Stefan Kudoke gründete seine Manufaktur KUDOKE im Jahr 2004 im sächsischen Dorf Weifa bei Bautzen. Dort entstehen heute mit einem kleinen Team in aufwendiger Handarbeit jährlich rund 200 bis 250 mechanische Uhren.
Seit 2021 ist Stefan Kudoke Mitglied des AHCI (Académie Horlogère des Créateurs Indépendants).
Internationale Anerkennung erhielt KUDOKE 2019, als die KUDOKE 2 beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève (GPHG) den Preis in der Kategorie „Petite Aiguille“ gewann – als erste Auszeichnung dieser Art für einen unabhängigen deutschen Uhrmacher. 2024 folgte eine zweite GPHG-Auszeichnung für die KUDOKE 3 „Salmon“, erneut in der Kategorie für Uhren bis 10.000 Schweizer Franken.

Die KUDOKE 3 Nocturne ist eine auf 20 Exemplare limitierte Sonderedition des preisgekrönten Modells (GPHG 2024). Sie kombiniert ein galvano-schwarzes Zifferblatt mit polierten Stahlzeigern in einem matt gestrahlten 39-mm-Edelstahlgehäuse – ein Finish, das exklusiv dieser Edition vorbehalten ist.

KUDOKE 3 Nocturne

Angetrieben wird die Uhr vom hauseigenen Handaufzugskaliber 1 (28.800 A/h, 46h Reserve), dessen Räderbrücke eine aufwendige Flakes-Handgravur ziert.

KUDOKE 3 Nocturne, Handaufzugskaliber 1 mit Flakes-Handgravur

Mit den neuen Tremblage-Zifferblättern für KUDOKE 1 und KUDOKE 2 interpretiert Stefan Kudoke eine der anspruchsvollsten Handgravurtechniken der Haute Horlogerie. Die aufwendige, in-house gefertigte Oberfläche entsteht durch tausende präzise Gravierbewegungen und ergibt ein samtig-mattes, lichtabsorbierendes Finish – jedes Zifferblatt ein Unikat.
Die KUDOKE 1 Tremblage in Weißrhodium ist eine klassische Dreizeigeruhr im 39-mm-Edelstahlgehäuse. Auch in dieser Uhr arbeitet das hauseigene Handaufzugskaliber 1.

KUDOKE 1 Tremblage

Die KUDOKE 2 Tremblage in Gelbgold (2N gold-plated) ergänzt das Design um die charakteristische Tag-/Nacht-Anzeige bei 12 Uhr mit handgraviertem Himmelsmotiv. Zum Einsatz kommt das Kaliber 1-24H.

KUDOKE 2 Tremblage

Die KUDOKE 5 ist eine 24-Stunden-Uhr mit einer großen, von Hand gravierten Himmelsscheibe, die sich einmal pro Tag dreht. Die obere Zifferblatthälfte zeigt die Tageshälfte (Sonne) an, die untere die Nachthälfte (Sterne). Das 38-mm-Edelstahlgehäuse ist 12 mm hoch, das stark gewölbte Saphirglas lässt die Scheibe schweben.

KUDOKE 5

Angetrieben vom hauseigenen Handaufzugskaliber 1-24H_L (28.800 A/h, 46h Reserve) mit integriertem Kugellager für die Himmelsscheibe.

 

Ma Xushu

Ma Xushu ist ein unabhängiger unabhängiger Uhrmacher aus China und Mitglied der Académie Horlogère des Créateurs Indépendants (AHCI). Als weitgehend autodidaktischer Uhrmacher erlangte er internationale Bekanntheit durch die Entwicklung eigener komplizierter mechanischer Uhren.
Sein Interesse an der Uhrmacherei begann bereits in jungen Jahren – ausgelöst durch ein altes Buch über Uhrenreparatur. Über viele Jahre reparierte er mechanische Uhren und fertigte fehlende Komponenten selbst an, bevor er ab etwa 2005 eigene Konstruktionen entwickelte.

Bekannt wurde Ma Xushu insbesondere durch experimentelle Werkarchitekturen mit seitlichen oder zylindrischen Anzeigen sowie durch innovative Tourbillon-Konstruktionen.

Internationale Anerkennung erhielt er 2015 mit der Aufnahme in die AHCI – als erster Uhrmacher vom chinesischen Festland überhaupt. Besondere Aufmerksamkeit erlangte seine „Full Lunar Calendar“ -Uhr, die traditionelle chinesische Kalenderfunktionen, Mondphasen und astronomische Anzeigen in einer mechanischen Armbanduhr kombiniert.

 

Matthias Naeschke

Die Firma Matthias Naeschke ist eine der letzten deutschen Vollmanufakturen für mechanische Wohnraumuhren. Der gelernte Uhrmacher und Kirchenmusiker Matthias Naeschke (Jg. 1943) erweckte 1984 das ausgestorbene Handwerk der Flötenuhr wieder zum Leben. Seit 1986 ist er Mitglied der AHCI. Seine Haigerlocher Vollmanufaktur fertigt skelettierte Werke mit markanten „Drops“-Ankergängen, 5-Stab-Kompensationspendel und Zifferblätter aus Sterlingsilber.

Sebastian Naeschke führt das Unternehmen in zweiter Generation. Nach der Feintechnikschule in Villingen-Schwenningen war er als Uhrmacher bei IWC in Schaffhausen (Spezialisierung auf Split-Sekunden-Chronographen) sowie als Manager bei Helmut Sinn tätig. Seit 1999 gehört er zur Geschäftsleitung des Familienunternehmens Naeschke. Sein tägliches Bestreben gilt der Suche nach außergewöhnlichen Innovationen und ästhetischen Lösungen in der feinen Uhrmacherkunst.

 

 

Nach diesen spannenden Eindrücken geht unser Besuch der Geneva Watch Week  am folgenden Tag weiter.
Hier besuchen wir einige Aussteller in den Suiten der Hotels Beau Rivage und Four Seasons sowie weiterer Locations.

 

LINKS

 

 

 

3 Kommentare

  1. Pingback: Die Geneva Watch Week 2026: Teil 3 - Chronopolis - Deutsches Uhrenportal

  2. Pingback: Die Geneva Watch Week vom 14. – 19. April 2026 - Teil 1 - Deutsches Uhrenportal

  3. Pingback: Die Geneva Watch Week 2026: Teil 2 - Time To Watches - Deutsches Uhrenportal

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.